Viola arbeitet seit etwa sechs Jahren als freie Textern. Nachdem ihr Sohn das Abi bestanden hat und einen Job annahm, fand sie, es sei Zeit, auszuziehen. Sie löste alles auf, überließ ihm die Wohnung und ist seit Oktober 2016 als Digitale Nomadin unterwegs.

viola saschowa

 

Was hast du beruflich gemacht, bevor du Texterin geworden bist?

Viel! Und ganz Verschiedenes. Ich habe zwei Ausbildungen, eine als Kinderpflegerin und eine zur technischen Assistentin für Informatik. In beiden Berufen habe ich ein paar Jahre gearbeitet. Nebenbei habe ich angefangen, Erwachsenenbildung zu studieren, das Studium aber abgebrochen. Dann war ich noch als Kundenberaterin im Einzelhandel tätig und habe für zwei ZDF-Spielfilme die Komparsen und Kleindarsteller organisiert und am Set ihre Einsätze verwaltet. Ach ja, und bei all dem war ich auch noch alleinerziehende Mutter eines inzwischen 22-jährigen Sohnes.

 

Wann hast du entschieden, den Weg als Texterin einzuschlagen bzw. seit wann arbeitest du in dem Bereich?

Ich habe schon immer gerne geschrieben und durch einen Freund die Möglichkeit gehabt, neben meinem Hauptjob für Traum-Ferienwohnungen Regionstexte zu verfassen. Aus dem Nebenjob wurde eine Feststellung als Onlineredakteurin in der Marketingabteilung. Leider lief nach zwei Jahren mein Vertrag aus und konnte nicht verlängert werden. Im Nachhinein war das ein großes Glück für mich. Denn über einen kleinen Umweg habe ich mich schließlich als Texterin selbstständig gemacht.

 

Hast du noch andere Aufträge oder arbeitest du ausschließlich als Texterin?

Inzwischen arbeite ich ausschließlich als Texterin. Wobei der Übergang zum Marketing und vor allem zur Werbung oft fließend ist. Das heißt, auch wenn ich keine Marketingexpertin bin, habe ich zumindest einen Überblick. Vor allem kleinere Unternehmen wissen häufig gar nicht, wie wichtig es ist, eine Zielgruppe zu haben und sich am Markt zu positionieren. Insofern arbeite ich manchmal auch als Werbe- und Marketingexpertin.

 

Was sollte man deiner Meinung nach mitbringen, um in dem Bereich zu arbeiten?

Natürlich gehört die Lust am Schreiben dazu sowie die Freude an der Auseinandersetzung mit immer neuen Themen.

Doch vor allem ist die Bereitschaft gefragt, sich immer weiterzubilden. Das Internet entwickelt sich rasant. Es gibt ständig neue Formate, um Kunden und Leser zu erreichen und Langeweile zu vermeiden. Seit dem 1990 der erste offizielle Blog online gegangen ist, hat sich viel getan. Inzwischen werden Kunden über den Newsletter auf neue Themen aufmerksam gemacht, Facebook will es kurz, witzig und viral und Landingpages haben manchmal einen fast schon aggressiven Unterton. Dazu kommt der Bereich Suchmaschinenoptimierung, in dem es fast täglich neue Erkenntnisse, Vorgehensweisen und Anforderungen gibt.

Wer allerdings glaubt, offline sei es einfacher, täuscht sich. Auch dort gilt es, sich fortwährend weiterzubilden. Gerade, im Bereich Werbetexte, herrscht ein ungeheurer Wettbewerbsdruck. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Sprache ein lebendiges und bewegliches Kommunikationswerkzeug ist.  Nicht umsonst wird der Duden alle 5 Jahre mit neuen Worten gefüttert und auf eine gesellschaftstaugliche Rechtschreibung optimiert.

 

Was gefällt dir besonders an deiner Tätigkeit?

Neben der Möglichkeit, von überall aus arbeiten zu können fasziniert mich, wie machtvoll Worte sind. Wir sind in der Lage unsere Realität und unser Bewusstsein durch Sprache zu beeinflussen. Sprache kann uns stärken oder schwächen. Als Beispiel nimm mal die folgenden beiden Sätze. Wie fühlen sie sich an?

„Ich will abnehmen.“ oder „Ich nehme ab.“

In welchem steckt mehr Power? Welcher Satz fühlt sich lebendiger an? Bei welchem der beiden Sätze denkst Du eher: Ja, das ist es?

Ich mag an meiner Tätigkeit, dass ich nicht nur über Dinge schreibe, sondern auch Gefühle und Energien transportiere. Ich mag, dass ich Menschen ermutige und ermächtige, ihren Weg zu gehen. Ja, was mir besonders an meiner Tätigkeit gefällt, ist, dass ich mit Menschen arbeite, obwohl ich vor meinem Bildschirm sitze.

 

Du arbeitest ja ortsunabhängig, wie sieht dein Arbeitstag heute aus im Vergleich zu vorher?

Mein Arbeitstag heute ist farbenfroher, freier und selbstbestimmter. Das zu bestimmten Zeiten anwesend sein zu müssen, Urlaub beantragen und ständige Rechenschaft abzulegen, falls ich mal einen längeren Schnack halte, ist einfach nicht Ding.

Allerdings kann ich nicht sagen, dass ich weniger arbeite als früher. Da ich sowieso nie mehr als  6 Stunden in einem Büro oder Verkaufsraum zugebracht habe, kann es jetzt durchaus mal vorkommen, dass es Phasen gibt, in denen ich 8 Stunden und mehr arbeite. Als Selbstständige gibt es ja immer viel zu tun. Werbung schalten, den Blog füttern, E-Mails beantworten, Netzwerken, die Webseite überarbeiten, Rechnungen schreiben, Buchhaltung machen, die Steuerberaterin anrufen, usw.

Was allerdings im Vergleich zu früher 100% anders ist, sind die Pausen. Während ich früher mit dem Regenschirm einen Spaziergang machte, um mir die Beine zu vertreten, springe ich jetzt in das korallenreiche, farbenprächtige Meer oder reite auf einem Kamel durch die Wüste.

 

Oft hört man ja leider, dass Texter bzw. auch Freelancer und virtuelle Assistenten viel zu wenig verdienen. Wie stehst du zu den Dumpingpreisen?

Hahaha! Ja, Dumpingpreise machen in gewisser Weise die Honorare kaputt. Sobald virtuelle Assistenten, Texter, Grafiker oder andere Gruppen unter den Freelancern ihr Angebot günstiger anbieten, ziehen wieder andere nach und bieten es noch günstiger an, bis jemand kommt, der es fast umsonst macht. Oder wir uns in Bangladesch nach billigen Arbeitskräften umsehen.

Spannend dabei finde ich, dass zumindest in den Kreisen der Texter dann oft die Auftraggeber angeklagt werden. „Wie kann der es wagen, eine Anfrage für nur 2 Cent das Wort zu stellen?“ Ganz einfach: weil es Menschen gibt, die diesen Auftrag annehmen. Und natürlich würde ich genau dasselbe machen – es sei denn, ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass damit auch die Qualität nachlässt. Allerdings reicht vielen Auftraggebern eine mindere Qualität und das sollte ich als Auftragnehmerin auch akzeptieren.

Natürlich kann ich die Angst unter den Textern, Virtuellen Assistenten und allen anderen Freelancern verstehen. Die Furcht, sobald wir die Preise anheben keine Aufträge mehr zu erhalten, ist durchaus berechtigt. Es ist in der Tat ein Risiko und kann sehr verunsichern.

Es ist ein absolutes Abenteuer. Es besteht darin, bei 10 Anfragen, die einem jeweils nur 10,- € die Stunde einbringen ’nein‘ zu sagen (anstatt wie vorher ‚ja‘) und das so lange im Vertrauen durchzuhalten, bis die  11. Anfrage kommt, die 100,- € in der Stunde einbringt.

Nachdem diese Anfrage kam, denken wir oft: Jetzt geht es bergauf und ich erhalte nur noch 100,- € Aufträge. Aber weit gefehlt! Dann geht das Abenteuer von vorne los. So lange, bis irgendwann eine magische Grenze durchbrochen ist und tatsächlich nur noch 100,- € Aufträge zu kommen scheinen.

 

Viele wissen eventuell gar nicht, was ihre Arbeit Wert ist und verkaufen sich unter Wert. Wo liegen deiner Meinung nach absolute Untergrenzen?

Den Wert der eigenen Arbeit herauszufinden ist ein Prozess. Wir haben alle mal klein und günstig angefangen. Doch gerade unter den Textern sind mir einige begegnet, die ihre Dienstleistung tatsächlich für nur etwa 10,- € /Std. (bei einem Wortpreis von etwa 0,02  -0,04 €) anbieten. Darauf ließe sich sagen, das sei ja immerhin mehr als der Mindestlohn. Doch davon gehen Steuern, Krankenkasse und sonstige firmenbezogene Ausgaben ab – und am Ende bleibt weniger übrig, als der Hartz 4-Satz beträgt.

Letztlich muss die Untergrenze jeder für sich selbst bestimmen. Falls jemand Lust hat, viel zu arbeiten, dann mag ein Stundensatz von 15,- € vielleicht ausreichen. Bei 8 Stunden am Tag kommt die Person so auf 120,- € unversteuertes Einkommen. Da sind dann allerdings die unbezahlten Bürozeiten (Mails beantworten, Akquise, Buchhaltung, …) noch nicht mit einkalkuliert.

Also, da Du mich fragst, liegt die Untergrenze der Honorarsätze bei 40,- €. Das ist dann der reine Zeitwert. Steckst Du da noch Wissen, Erfahrung und Können rein, sollte die Untergrenze deutlich höher liegen.

Übrigens habe ich zu dem Thema letztens einen Artikel auf meinem Blog veröffentlicht. Diesen kannst du hier nachlesen.

 

Wie kann man dem Kunden denn verkaufen, dass man mehr Wert ist bzw. welche Positionierung ist wichtig?

Eine Kaufentscheidung wird zu etwa 90 % unbewusst aus dem Bauch heraus getroffen. Sie schreit nicht so sehr nach logischen Argumenten, sondern mehr nach dem damit verbundenen Lebenswert, dem Gefühl, der inneren Resonanz, dem „Ja, danke! Das bringt mich im Leben weiter und führt mich zu meinem persönlichen Glück!“

Das kann für jeden ganz unterschiedlich aussehen. Entsteht der Kaufimpuls aus einem Mangelgefühl heraus, dann wird sich der Kunde für einen niedrigpreisigen Anbieter entscheiden, der eventuell selbst im Mangelgefühl lebt: „Hauptsache ich habe einen Kunden.“

Bei der Frage, was bei der eigenen Positionierung wichtig ist, geht es unter anderem darum, sich der eigenen Werte und Ziele bewusst zu werden. Dann kommen wir weg von dem Gedanken: „Hauptsache, ich habe Aufträge und kann mein Überleben sichern“ und wenden uns hin zu der Frage: „Was möchte ich mit meiner Arbeit erreichen? Was kann ich meinem Kunden bieten, damit er sich für mein Angebot entscheidet? Und ganz wichtig: Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ich nach meinen Werten arbeiten kann und meine Ziele, sowie die des Kunden, erreiche?“

Dabei ist es ebenfalls wichtig, sich der Frage zuzuwenden: Mit wem möchte ich eigentlich zusammenarbeiten? Wie sieht mein Wunschkunde aus? Für mich war die Antwort darauf: Mein Zielkunde ist jemand, der in der Zusammenarbeit mit mir eine Win-win-Situation sieht.

Möchte ich jetzt aus einem Auftrag einen Gewinn für den Kunden und für mich ziehen, schließt das zwei Dinge aus:

  1. Mich wie einen Arbeitssklaven behandeln zu lassen (und etwa für wenig Honorar viel leisten zu müssen)
  2. Nur auf meinen eigenen Vorteil bedacht zu sein (etwa für viel Honorar schlechte Qualität abzuliefern)

Sobald wir das für uns geklärt haben, ist die Positionierung nicht mehr so schwierig. Dann gilt es, die Webseite, Facebook, die Werbung oder unsere Kundengespräche darauf ausrichten. Bei der Gestaltung und Formulierung können uns Experten helfen, doch der innere Impuls muss von uns selbst kommen.

Für viele ist das ein mutiger Schritt – für mich war es so. Denn sich zu positionieren heißt, weg von dem Gedanken: „Ich will alle erreichen“ hin zu der inneren Einstellung: „Ich möchte genau die Kunden ansprechen, die meinen Werten und Vorstellungen entsprechen und bereit sind, meine Bedingungen zu erfüllen, damit ich ihre Bedingungen erfüllen kann.“ Wir glauben dann oft, dass wir allen anderen die Tür vor der Nase zuschlagen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Eher geben wir durch eine gezielte Positionierung dem Kunden die Möglichkeit, sich bewusst zu entscheiden. Wir laden ihn ein, einen Auftrag nicht mehr aus seinem Mangelgefühl heraus abzuschließen, sondern darin eine wirkliche Qualität und Weiterentwicklung für sein Business zu erkennen.

Ob der Kunde die Einladung annimmt, liegt ganz bei ihm. Doch ich habe Mal in einem Coaching gehört: „Jedes ‚Nein‘ ist endlich“.  Es lohnt sich also, an dem potenziellen Kunden dran zu bleiben und ihm immer wieder ein tolles Angebot zu machen. Dabei ist es nur wichtig, ihm die Wahl zu lassen, dieses Mal ‚Ja‘ zu sagen.

Hier für dich noch die Links zu Violas Website : http://www.erfolgsredakteurin.de

Und zu ihrer Facebook Seite: Viola Saschowa


Du möchtest auch gerne einmal hier im Interview erscheinen? Dann schreib gerne eine Nachricht an: nadine@virtual-assistant-women.de!

 

Dir hat der Beitrag gefallen? Sharing is caring:)